Backup & Recovery

Die 3-2-1-Backup-Regel: So sichern Unternehmen ihre Daten richtig

Drei Kopien, zwei Medien, eine außer Haus – die bekannteste Backup-Regel ist über vierzig Jahre alt und heute wichtiger denn je. Was sie bedeutet, wo sie an Grenzen stößt und wie eine belastbare Umsetzung aussieht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Drei Kopien der Daten, auf zwei unterschiedlichen Medientypen, davon eine an einem anderen Ort.
  • Erweitert um eine Kopie, die offline oder unveränderbar ist, und null Fehler bei der Rückspielprüfung.
  • Die Strategie folgt aus zwei Zahlen: wie viel Datenverlust tragbar ist und wie lange ein Stillstand dauern darf.

Die 3-2-1-Regel stammt aus einer Zeit, in der Datenverlust vor allem defekte Festplatten bedeutete. Dass sie heute wieder überall zitiert wird, hat einen anderen Grund: Sie ist zufällig auch die beste verfügbare Antwort auf Verschlüsselungsangriffe. Denn Schadsoftware löscht nicht nur die Originaldaten, sondern zielt gezielt auf alles, was von diesen Daten aus erreichbar ist.

Was die Regel besagt

Drei Ziffern, drei Anforderungen:

  • 3 Kopien Ihrer Daten – das Original und zwei Sicherungen. Der Grund ist schlicht Wahrscheinlichkeit: Dass zwei unabhängige Kopien gleichzeitig unbrauchbar sind, ist deutlich unwahrscheinlicher als der Ausfall einer einzelnen.
  • 2 unterschiedliche Medien. Zwei Festplatten aus derselben Lieferung fallen erfahrungsgemäß im selben Zeitraum aus. Unterschiedliche Technik – etwa Festplatte und Bandlaufwerk, oder lokaler Speicher und Cloud-Speicher – entkoppelt dieses Risiko.
  • 1 Kopie außer Haus. Brand, Wasserschaden, Einbruch und Blitzschlag machen vor dem Serverraum nicht halt. Eine Sicherung im Nebenraum ist keine Auslagerung.

Die moderne Erweiterung: 3-2-1-1-0

Die klassische Regel hat eine Lücke, die erst durch Erpressungssoftware sichtbar wurde: Sie sagt nichts darüber, ob die Sicherungen vom Produktivsystem aus veränderbar sind. Genau das sind sie in vielen Umgebungen – ein verbundenes NAS, ein Netzlaufwerk, ein Backup-Server mit denselben Anmeldedaten. Wird der Server übernommen, verschwinden die Sicherungen gleich mit.

Deshalb die Ergänzung um zwei Ziffern:

  • 1 Kopie offline oder unveränderbar. Ein herausgenommenes Band, eine getrennte Festplatte oder ein Speicher mit Unveränderbarkeitssperre, die auch mit administrativen Rechten innerhalb der Aufbewahrungsfrist nicht gelöscht werden kann.
  • 0 Fehler bei der Prüfung. Jede Sicherung wird verifiziert und – das ist der entscheidende Teil – regelmäßig tatsächlich zurückgespielt. Warum das kein Formalismus ist, steht in Warum ein ungetestetes Backup kein Backup ist.
Synchronisation ist kein Backup

Dienste, die Ordner zwischen Geräten und Cloud abgleichen, geben Löschungen und Verschlüsselungen weiter – oft innerhalb von Sekunden. Sie schützen vor Hardwaredefekten, nicht vor Fehlern und Angriffen. Ein Backup zeichnet sich dadurch aus, dass es einen Stand von vorher aufbewahrt.

Zwei Zahlen, aus denen alles folgt

Bevor über Technik gesprochen wird, sollten zwei Größen festliegen. Sie werden nicht von der IT bestimmt, sondern von der Geschäftsführung:

Größe Frage Auswirkung
RPO Wie viel Arbeit darf verloren gehen? Bestimmt den Sicherungsabstand: täglich, stündlich, laufend
RTO Wie lange darf der Stillstand dauern? Bestimmt Speicherart, Bandbreite und Ersatzhardware

Ein Beispiel: Verkraftet ein Betrieb den Verlust eines halben Arbeitstages, genügt eine Sicherung alle vier Stunden. Muss die Warenwirtschaft nach vier Stunden wieder laufen, reicht eine Sicherung, die nur über eine langsame Internetleitung zurückkommt, nicht aus – dann braucht es eine lokale Kopie für den schnellen Zugriff und die ausgelagerte für den Katastrophenfall.

Diese beiden Zahlen ersparen die meisten Grundsatzdiskussionen über Produkte. Sie sind auch der Grund, warum eine pauschale Empfehlung nicht möglich ist.

Wie das im Mittelstand konkret aussieht

Eine typische, gut beherrschbare Umsetzung für einen Betrieb mit lokalem Server und Cloud-Anteil:

  1. Kopie 1 – lokal, schnell. Nächtliche Sicherung der virtuellen Maschinen auf ein dediziertes Sicherungssystem im Haus. Zweck: schnelle Wiederherstellung einzelner Dateien und ganzer Systeme.
  2. Kopie 2 – ausgelagert. Übertragung an einen zweiten Standort oder zu einem Rechenzentrumsanbieter, verschlüsselt. Zweck: Schutz vor Ereignissen, die das Gebäude betreffen.
  3. Kopie 3 – unveränderbar. Wöchentlicher Stand mit Aufbewahrungssperre oder auf einem Medium, das nach der Sicherung physisch getrennt wird. Zweck: Schutz vor Verschlüsselung und vor versehentlichem Löschen.

Entscheidend sind drei Details, die häufig übersehen werden: Das Sicherungssystem verwendet eigene Zugangsdaten, nicht die des Tagesgeschäfts. Es meldet Fehler aktiv, statt sie in ein Protokoll zu schreiben, das niemand liest – siehe IT-Monitoring. Und der Umfang wird regelmäßig geprüft, weil neue Systeme sonst still und leise ungesichert bleiben.

Was ist mit Microsoft 365 und anderen Cloud-Diensten?

Ein verbreitetes Missverständnis: Cloud-Anbieter sichern ihre Infrastruktur, nicht Ihre Inhalte gegen Ihre eigenen Fehler. Gelöschte Postfächer, überschriebene Dokumente oder Datenverlust nach dem Ausscheiden von Mitarbeitenden sind nur innerhalb begrenzter Aufbewahrungsfristen wiederherstellbar – danach sind sie fort.

Wer geschäftskritische Daten in Microsoft 365, Nextcloud oder vergleichbaren Diensten hält, braucht deshalb eine eigene Sicherung. Auch für diese gilt die 3-2-1-Regel: Eine Kopie beim selben Anbieter zählt nicht als Auslagerung.

Häufige Lücken in bestehenden Konzepten

  • Alle Kopien liegen im selben Gebäude – meist im selben Raum.
  • Das Sicherungsziel ist dauerhaft als Netzlaufwerk eingebunden und damit angreifbar.
  • Es wird gesichert, aber nie geprüft, ob der Vorgang überhaupt erfolgreich war.
  • Nur Dateien werden gesichert, nicht die Systeme – der Wiederaufbau dauert dann Tage statt Stunden.
  • Die Aufbewahrungsdauer ist zu kurz. Verschlüsselungen werden mitunter erst nach Wochen bemerkt; wer nur 14 Tage vorhält, hat dann nur noch verschlüsselte Stände.

Den zweiten Punkt – ein dauerhaft erreichbares Sicherungsziel – entschärft man am wirksamsten über getrennte Rechte statt über zusätzliche Technik. Wie das mit dem Proxmox Backup Server aussieht, steht in Backups, die ein Angreifer nicht löschen kann. Und wie die Kopie außer Haus praktisch entsteht, beschreibt Die Kopie außer Haus.

Fazit

Die 3-2-1-Regel ist kein Produkt und keine Software, sondern eine Prüffrage: Existieren drei Kopien, auf zwei Medientypen, mit einer außer Haus – und ist eine davon für einen Angreifer unerreichbar? Wer diese Frage mit Ja beantworten kann und die Rückspielung schon einmal geübt hat, ist besser aufgestellt als die meisten.

Bei der Auslegung, Umsetzung und Überwachung unterstützen wir im Rahmen von Datenbackup & Recovery – abgestimmt auf Ihre Wiederanlaufzeiten und die vorhandene Virtualisierungsplattform.

Beitrag teilen
Weiterlesen

Passende Beiträge.

Backup & Recovery 6 Min. Lesezeit

Backups, die ein Angreifer nicht löschen kann – mit Proxmox Backup Server

Moderne Verschlüsselungsangriffe suchen zuerst die Sicherung. Dieser Beitrag zeigt, mit welchen Mitteln der Proxmox Backup Server dagegen abgesichert wird – und warum der oft genannte „Immutable-Schalter“ dabei nicht die Rolle spielt, die ihm zugeschrieben wird.

Backup & Recovery 5 Min. Lesezeit

Die Kopie außer Haus: Offsite-Replikation mit Proxmox Backup Server

Die dritte Kopie an einem anderen Ort ist der Teil der 3-2-1-Regel, der am häufigsten fehlt. Mit dem Proxmox Backup Server lässt sie sich so einrichten, dass sie die Leitung kaum belastet – vorausgesetzt, ein paar Entscheidungen werden vorher richtig getroffen.